WARUM GELD ALLEIN NICHT REICHT

"Solange Menschen in Peru und auf der ganzen Welt hungern, ist ein Vamos!-Programm überflüssiger Luxus und geht das Problem ‚Gerechtigkeit' am falschen Ende an". Immer wieder wird Color Esperanza mit solchen und ähnlichen Bedenken konfrontiert.

Color Esperanza ist sich der verheerenden wirtschaftlichen Ungerechtigkeit in der Welt bewusst. Als Freiwillige in Peru wurden wir täglich mit Leid und Leiden, dass durch fehlende finanzielle Mittel ganz konkret im Alltag ausgelöst wird, konfrontiert. Mit Gastgeschwistern ohne Krankenversicherungen, fehlendem Geld für eine ausreichende Bildung, täglicher harter Arbeit für ein Minimum an Lebensstandard.

Jahrelange Entwicklungshilfe, die vor allem Know-how und Geld aus den entwickelten Ländern in die sogenannten Entwicklungsländer gebracht haben, führen bis heute jedoch nicht zu einem breiten Erfolg in Bezug auf eine gerechtere Welt. Wir sind überzeugt, dass in der globalisierten Welt erst die Basis für einen interkulturellen Austausch geschaffen werden muss, indem sich die PartnerInnen auf einer breiten Basis gegenseitiger Ernstnahme gegenübertreten. Dass in diesen Prozess wirtschaftliche Ausgleiche mit einfließen müssen, steht außer Frage. Von ebenso großer Bedeutung werden unserer Meinung jedoch Faktoren sein, die "Chancengleichheit", "Augenhöhe" und "Ernstnahme" auf verschiedenen weiteren Ebenen ermöglichen.

Ein Freiwilligendienst im Ausland "hilft" nicht nur dem Ausland, dieser Aspekt des Dienstes kann und muss unterm Strich wohl sogar als der geringere Teil ausgemacht werden. Vielmehr "dient" dieser Dienst dem Freiwilligen/der Freiwilligen in vielfältiger Hinsicht selbst: Persönliche Erfahrungen knüpfen sich an den Eintritt in einen komplexen globalen Raum, in dem (gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche) Zusammenhänge erkannt und verstanden werden, in dem vielfältige individuelle Kompetenzen erworben werden können. Die/der Freiwillige ist in diesem Verständnis ein/e ständig Lernende/r, die/der dann aber durchaus "reicher" wieder an ihren/seinen Ausgangspunkt zurückkehrt.

Diese Chance haben junge Erwachsene in Peru kaum oder nicht. Das Land wird stattdessen von Freiwilligen aus aller Welt zunehmend "überschwemmt". Dieser Entwicklung muss eine Gegenbewegung folgen: Auch PeruanerInnen müssen die Möglichkeit bekommen, Lernende im Ausland zu werden.

Wir sind überzeugt davon, dass unser Engagement nachhaltiger und langfristiger als so manche direkte Spende für Gerechtigkeit arbeitet. Auf lange Sicht profitiert nicht nur Peru vom Einsatz peruanischer Freiwilliger in Deutschland, die reich an Erfahrung und mit vielfältigen persönlichen und sozialen Kompetenzen ausgestattet in ihr Heimatland zurückkehren. Auch für die deutsche Gesellschaft stellen unsere Peru-Freiwilligen eine nicht hoch genug einzuschätzende Bereicherung dar. Wir bekommen die Möglichkeit zu einem Diskurs über vielfältigste Fragen der Postmoderne, an dem sich alle Menschen beteiligen können. Es liegt an uns, eine "Willkommenskultur" zu schaffen, in dem sich Grenzen und Einseitigkeit mehr und mehr auflösen.

Wir danken Ihnen für Ihr Interesse und freuen uns auf Kontakt mit Ihnen. Über Denkanstöße von außen, über Fragen, natürlich besonders auch über Spenden für unser Programm sind wir sehr dankbar.